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# Von Militärrobotern bis hin zu selbstfahrenden Pizza-Lieferdiensten
Dieses Kapitel gibt eine kurze Einleitung in Roboterethik und widmet sich einigen ethischen Aspekten der neuesten Robotertechnologie. Hierbei sollen nicht etwa definitive Antworten gegeben werden, vielmehr werden diese ethischen Aspekte vorgestellt[^1] .
Kurz gesagt werden wir in diesem Kapitel Folgendes betrachten: (1) Im ersten Abschnitt werfen wir einen kurzen kulturhistorischen Blick auf unsere Obsession von künstlichen Kreaturen. (2) Wir wenden uns dann der Roboterethik zu und was es damit auf sich hat. (3) Wir sprechen einige ethische Aspekte der aktuellen Robotertechnologie an. Vor allem betrachten wir hier Militärroboter, selbstfahrende Autos sowie Roboter, die als Begleitung oder zur Pflege dienen.
### (1) Zunächst etwas Geschichte
## Zunächst etwas Geschichte
Menschen sind seit Langem besessen von künstlichen Kreaturen. Denken wir nur einmal an Talos aus der griechischen Mythologie, der ein riesiger Bronzeroboter ist und vermutlich gut Feinde bekämpfen kann (im Jahre 400 v.Chr.). Dann gibt es natürlich noch den Golem aus der jüdischen Tradition, eine Kreatur bestehend aus nicht-organischem Material, wie z.B. Lehm, die durch Magie zum Leben erweckt wird. Ein weiteres Beispiel, das den Robotern ähnlicher ist, bringt uns Leonardo da Vinci, der einen mechanischen menschenartigen Ritter erschaffen hat (um 1490). Unsere Besessenheit von künstlichen Kreaturen allgemein und mechanischen Robotern im Speziellen ist nirgends offensichtlicher als in Film und Literatur. Um hier nur zwei historische Beispiele zu nennen: E.T.A. Hoffmans berühmte Geschichte "Der Sandmann" (1816), die eine künstliche Frau namens Olimpia herausbringt sowie unter den Filmen der Klassiker "Metropolis" von Fritz Lang, in dem die künstliche Kreatur Maria Unruhe stiftet. Natürlich könnten wir diese Liste fortführen bis wir zu den neuesten Folgen in der Popkultur gelangen und süße kleine Roboter wie Wall-E (2008) oder ausgeklügelte Mördermaschinen wie in dem Film "Ex Machina" (2014) aufzählen.
In Anbetracht unserer Obsession von künstlichen Kreaturen dürfte es also nicht überraschend sein, dass wir uns in einer Phase von technischer Entwicklung befinden, in der Vakuumroboter wie Roomba unsere Wohnungen putzen, selbstfahrende Autos in naher Zukunft auf die Straßen kommen und Roboterassistenten in Krankenhäusern oder Altenheimen eingesetzt werden[^2] .
### (2) Roboterethik
## Roboterethik
Bevor wir zur Roboterethik kommen, zunächst ein Wort über die Klassifizierung von Robotertechnologie. Wie zu erwarten ist, gibt es viele Wege, Robotertechnologie zu klassifizieren. Hier ein Beispiel von Kopacek (2013):
......@@ -28,8 +25,7 @@ Allgemein gesagt beschäftigt sich die Roboterethik mit der Examinierung und Ana
Eine kurze Zusammenfassung des bisher Angesprochenen: Wir haben zuerst unsere Obsession von künstlichen Kreaturen und Robotern betrachtet. Danach haben wir eine einfache Klassifizierungsmöglichkeit für Roboter eingeführt. Am wichtigsten war jedoch, dass auch Ethik und Roboterethik angesprochen wurden. Im nächsten Abschnitt werfen wir einen Blick auf einige ethische Probleme, die in Verbindung mit besonderen Robotertechnologien aufkommen. Insbesondere konzentrieren wir uns dabei auf vier Typen der Robotertechnologie: Militärroboter, Begleitroboter, Roboterassistenten und autonome Fahrzeuge.
### (3) Roboter und Ethik
## Roboter und Ethik
Die natürlichste Frage, die viele Menschen beim Thema Roboter im Kopf haben, ist: Wie kriegen wir Roboter dazu, sich so zu verhalten, wie wir es für angebracht erachten? In seinen Romanen präsentiert der Autor Isaac Asimov eine Antwort auf diese Frage. Er plädiert für die Vorstellung, dass Roboter gemäß unseren moralischen Regeln oder Gesetzen programmiert werden können. So könnte der Roboter z.B. so eingestellt werden, dass er X, aber nicht Y macht. Die Regeln, die er einführt, sind als "Asimovsche Robotergesetze" (engl. "Three Laws of Robotics") bekannt geworden und lauten folgendermaßen:
......@@ -43,7 +39,7 @@ Nun scheint auf den ersten Blick die Idee, das Verhalten von Robotern gemäß ei
Zu guter Letzt stellt sich das Problem, dass die Asimovschen Gesetze in manchen Kontexten nicht umsetzbar sein können. Es kann z.B. Kontexte geben, in denen wir erwarten, dass der Roboter einem menschlichen Wesen Schaden zufügt. Dies führt uns zu der ersten Robotertechnologie, auf die wir konkreter schauen werden: Militärroboter.
## Militärroboter
### Militärroboter
Es ist nicht überraschend, dass das Militär an vorderster Front steht, wenn es um Robotertechnologie geht. Militärroboter sind hier, um hier zu bleiben. Z.B. berichteten die New York Times 2005 von Plänen des Pentagons, Soldaten durch Roboter zu ersetzen und [nur fünf Länder unterstützten eine UN-Resolution zum Verbot von Killerrobotern](https://www.theverge.com/2014/5/16/5724538/what-happened-at-the-un-killer-robot-debate). Hier ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass vollautonome Waffen bereits existieren (in diesem Kontext bedeutet "autonom", dass der Roboter ohne menschliche Intervention über seine Aufgaben hinausgeht). Südkorea besitzt ein automatisches Maschinengewehr, [das ohne menschliche Befehle Ziele identifizieren und beschießen kann](http://www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-2756847/Who-goes-Samsung-reveals-robot-sentry-set-eye-North-Korea.html). Ein weiteres Beispiel stammt aus Russland, wo das Militär autonome Panzer einsetzt, [um kritische Gebiete abzupatrouillieren](https://www.newscientist.com/article/mg22229664-400-armed-russian-robocops-to-defend-missile-bases/).
......@@ -54,7 +50,7 @@ Trotz ihrer Fähigkeit, Menschen zu erschießen und trotz ihres gelegentlich ein
Trotz dieser (potentiellen) Vorteile müssen einige wichtige ethische Aspekte angesprochen werden: Eine der drängenden Fragen ist, ob Militärroboter die Autorität innehaben sollten, auf Menschen zu schießen, ohne dass ein Mensch darüber informiert ist. Dies ist besonders relevant, weil wir die Fähigkeit der Roboter sicherstellen müssen, zwischen Streitkräften und Zivilisten zu unterscheiden. Weiterhin könnte die Verfügbarkeit von Militärrobotern die Schwelle zu bewaffneten Konflikten senken. Denn hat man eine Gruppe Roboter, die für die eigene Seite kämpfen und somit keine menschlichen Verluste entstehen lassen (!), könnte dies die Motivation für bewaffnete Konflikte erhöhen. Im Zusammenhang damit steht das Problem der möglichen Bequemlichkeit im Verwenden von Robotern, wodurch die Haltung gefördert wird, dass Militärroboter die "technische Standardlösung" für Probleme werden und andere, friedvollere Lösungen außer Sicht geraten. Außerdem stellt sich die Frage, wie die Verantwortung zu verteilen ist, v.a. wenn ein Militärroboter Menschen verletzt, die nicht verletzt werden sollten. Wie bestimmen wir, wer für das Verhalten von Militärrobotern verantwortlich ist, insbesondere wenn sie autonom sind? Diese Angelegenheit ist sehr komplex, da wir die Vielzahl der beteiligten Rollen berücksichtigen müssen: Die Schöpfer des Roboters (inkl. IT-Unternehmen, die die Software herstellen sowie andere Forschungsinstitutionen) oder das Militär (z.B. die Leute in der Befehlskette wie Kommandeure und Soldaten). Vielleicht könnten wir aber auch dem Roboter selbst die Verantwortlichkeiten zuschreiben? Natürlich ist es nicht überraschend, dass Philosophen einiges zu diesem Thema zu sagen haben. Manche Autoren haben dafür plädiert, dass es unmöglich ist, die Verantwortung irgendeiner dieser Rollen zuzuteilen, wenn es um Militärroboter geht (z.B. Sparrow 2007). Andere Autoren hingegen haben genau diesen Weg zur Zuteilung dieser Verantwortung vorgeschlagen (z.B. Schulzke 2013)[^4] .
## Begleitroboter
### Begleitroboter
Nach dem eher trostlosen Thema der Killermaschinen können wir uns nun den erbaulicheren Maschinen widmen: Begleitroboter. Normalerweise dienen diese Roboter irgendeiner Art von Interaktion, wie z.B. Sprache oder Gestik. Kurz gesagt sind Begleitroboter Roboter, die – wie der Name schon vermuten lässt – Leuten zuhause, auf der Arbeit, im Krankenhaus oder Altenheim Gesellschaft leisten. Das klassische Beispiel ist hier Paro, die flauschige Roboterrobbe, die in Altenheimen zur kognitiven Stimulierung oder Beruhigung demenzkranker Personen genutzt wird. Zwei neuere Begleitroboter sind Kuri und Buddy. Diese beiden sollen eine Allround-Begleitung darstellen, die Musik abspielen, an Aufgaben und Pflichten erinnern sowie [mit der eingebauten Kamera zu bestimmten Orten im Haus geschickt werden können, um dort etwas zu überprüfen](https://www.wired.com/story/companion-robots-are-here/).
......@@ -63,7 +59,7 @@ Ein anderes ethisches Problem betrifft das Autoritäts- und Autonomielevel, das
Einige dieser oben angesprochenen Aspekte treffen auch auf Roboterassistenten zu, auf die wir im Folgenden zu sprechen kommen.
## Roboterassistenten
### Roboterassistenten
Roboterassistenten sind Roboter, die wichtige Aufgaben in der Pflege anderer Menschen erfüllen, hauptsächlich bei Älteren oder körperlich Beeinträchtigten. Solche Aufgaben können das Greifen und Heben von Objekten, das Tragen oder Essenreichen sein. Der sogenannte Care-O-Bot wurde vom Fraunhofer Institut entwickelt und stellt beispielhaft den State of the art dar. Er ist mit einer Ablage, um Dinge herbeizubringen, ausgestattet und mit einer Tablet-Schnittstelle zur Anzeige von Webseiten versehen. [Darüber hinaus kann der Roboter seinen Nutzenden an die Einnahme von Medikamenten erinnern oder Hilfe holen, wenn dieser gestürzt ist und nicht allein aufstehen kann](https://www.care-o-bot.de/en/care-o-bot-3.html).
......@@ -74,7 +70,7 @@ Letztlich müssen im Zusammenhang mit Roboterassistenten einige gesellschaftlich
Die letzte Robotertechnologie, die wir genauer betrachten, ist die der selbstfahrenden Autos.
## Autonome Fahrzeuge
### Autonome Fahrzeuge
Wenn man die Medien verfolgt, ist man höchstwahrscheinlich vertraut mit den selbstfahrenden Autos von Tesla und Google. Dennoch ist angesichts des Preises eines Tesla-Autos vielleicht das selbstfahrende Auto eines Pizza-Lieferdienstes ein realitätsnäheres Beispiel. Es wurde in einer [Kooperation von Ford und der Pizza-Kette Dominos getestet](https://medium.com/self-driven/how-pizza-is-helping-us-design-our-self-driving-future-a78720818e99). Und so soll das selbstfahrende Pizza-Auto funktionieren: Man bestellt die Pizza und ein/e Angestellte/r deponiert sie in dem selbstfahrenden Lieferungsfahrzeug. Dieses findet dann selbstständig den Weg zu der angegebenen Adresse. Sobald das Auto mit der Pizza dort ankommt, kann die Pizza herausgenommen werden und das Auto fährt zurück zum Sitz des Lieferdienstes. Es ist nicht abwegig, dass wir tatsächlich selbstfahrende Pizza-Autos in naher Zukunft sehen werden, weil andere Unternehmen ins Rennen kommen. [Kürzlich hat sich Pizza Hut mit Toyota zusammengetan, um an einer eigenen Version eines autonomen Pizza-Lieferungsfahrzeugs zu arbeiten] (https://www.eater.com/2018/1/8/16865982/pizza-hut-toyota-self-driving-truck).
......@@ -84,7 +80,7 @@ Trotz der Vorteile von selbstfahrenden Autos müssen einige ethische Probleme di
In dem zusammenfassenden Abschnitt werden wir sehen, dass Roboter nicht nur unsere Arbeitsplätze einnehmen, sondern auch unsere Rechte.
## Ethischer Umgang mit Robotern?
### Ethischer Umgang mit Robotern?
Zu Beginn dieses Kapitels wurde gesagt, dass Ethik nicht nur mit vertretbarem Verhalten gegenüber anderen Menschen und Tieren zutun hat, sondern heutzutage auch das Verhalten gegenüber künstlichen Produkten betrifft. Beispielsweise hat Saudi-Arabien im Oktober 2017 dem gebildeten, menschenartigen Roboter mit dem Namen Sophia Bürgerrechte gewährt. [Es ist der erste Roboter mit einer Staatsbürgerschaft weltweit](http://www.hansonrobotics.com/robot/sophia/). Dieses Ereignis zeigt einmal mehr, dass wir anfangen sollten, über unseren Umgang mit Robotern nachzudenken und uns zu fragen, welche Rolle sie in unserer sozialen Welt spielen sollen. Müssen wir sie als Personen betrachten und ihnen Rechte einräumen? Schließlich betrachten wir Unternehmen als Personen und gewähren ihnen bestimmte Rechte. Ist es möglich, Roboter auf unethische Weise zu behandeln (z.B. indem man ihnen Schaden zufügt)? Wir werden künftig vermutlich mit diesen und ähnlichen Fragen konfrontiert werden. Dies ist umso wahrscheinlicher, wenn Roboter ein Niveau an Kultiviertheit erreichen, das uns die Unterschiede zwischen ihnen und uns überdenken lässt. Wir sollten also besser endlich damit anfangen, über diese Angelegenheiten nachzudenken, anstatt die technische Entwicklung aufzuarbeiten.
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