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Glauben wir an eine Technologie, die über den Fortschritt entscheidet oder müssen wir davor Angst haben, dass ein Terminator bereits auf dem Weg zu uns ist?
KI und Robotik
## KI und Robotik
Die Verbindung zwischen Technologie, künstlicher Intelligenz (KI) und Robotik ist wahrscheinlich so offensichtlich, dass sie keiner aufwendigen Analyse bedarf. Vielmehr soll der Fokus der vorliegenden Arbeit auf den ethischen Aspekten liegen, die den – häufig verflochtenen – Forschungsbereichen der Robotik und KI eigen sind. Für das weitere Verfahren muss also zunächst einmal eine Unterscheidung dieser beiden Felder festgelegt werden.
KI bezieht sich auf ein theoretisches und komplexeres Konzept (Intelligenz) und ist daher in sich ein eher aleatorisches Konzept, das sich über eine ganze Reihe von Forschungsgebieten erstrecken kann. Gegenwärtig jedoch könnte man KI als zur Informatik gehörend definieren, da dieser Zweig einen besonderen Fokus auf die Schaffung möglichst menschlicher künstlicher Maschinen legt. Es gibt viele Standardaufgaben, die moderne, weitverbreitete Maschinen dank ihrer KI bereits erledigen können. So erlaubt z.B. Spracherkennung unseren Smartphones – immerhin bedeutet „smart“ auch hier „intelligent“ – einen Anruf zu tätigen, Instruktionen zu geben, Fragen zu verarbeiten und Antworten zu liefern oder eine Handlung auszuführen. Und all das basiert auf der Fähigkeit, dass sie unsere Stimmen erkennen.
Es ist also nicht verwunderlich, dass die Schaffung vieler lebensverändernder Innovationen in der Gesellschaft momentan großen Anklang findet, so z.B. die selbstfahrenden Autos, bei denen eine hohe Datenverarbeitung benötigt wird. Maschinen können nur dann miteinander intelligent interagieren, wenn ihnen Möglichkeiten zur Kategorisierung der Welt bereitgestellt werden, die im Allgemeinen als Wissensverarbeitung bezeichnet wird. Ebenso wichtig ist das maschinelle Lernen: ohne Überwachung benötigt es klare Datenstrommuster, während bei vorhandener Überwachung numerische Regressionen und Klassifizierungen verwendet werden.
Es ist also nicht verwunderlich, dass die Schaffung vieler lebensverändernder Innovationen in der Gesellschaft momentan großen Anklang findet, so z.B. die selbstfahrenden Autos, bei denen eine große Menge Daten verarbeitet werden muss. Maschinen können nur dann miteinander intelligent interagieren, wenn ihnen Möglichkeiten zur Kategorisierung der Welt bereitgestellt werden, die im Allgemeinen als Wissensverarbeitung bezeichnet wird. Ebenso wichtig ist das maschinelle Lernen: ohne Überwachung benötigt es klare Datenstrommuster, während bei vorhandener Überwachung numerische Regressionen und Klassifizierungen verwendet werden.
Robotik und KI gehen Hand in Hand. Roboter benötigen KI, in unterschiedlichen Abstufungen, um die von uns zugeteilte Aufgabe erfolgreich durchzuführen.
Robotik und KI gehen Hand in Hand. Roboter benötigen KI (in unterschiedlichen Abstufungen), um die von uns zugeteilte Aufgabe erfolgreich durchzuführen.
In einigen Fällen können Roboter jedoch auch so entwickelt werden, dass sie teilweise *selbstständig Denken* bzw. unabhängig von der KI und stattdessen entsprechend der menschlichen Intelligenz handeln.
[Die Verwendung eines Roboterarms in einer Studie, die beispielsweise an der Brown University durchgeführt wurde](https://news.brown.edu/articles/2012/05/braingate2) [^robotic-arm], zielte speziell auf die Nutzung der Intelligenz des an der Studie teilnehmenden Patienten ab (in diesem Fall aus therapeutischen Gründen, da es sich um einen Querschnittsgelähmten handelte).
[^robotic-arm]: https://news.brown.edu/articles/2012/05/braingate2
[Die Verwendung eines Roboterarms in einer Studie, die beispielsweise an der Brown University durchgeführt wurde](https://news.brown.edu/articles/2012/05/braingate2), zielte speziell auf die Nutzung der Intelligenz des an der Studie teilnehmenden Patienten ab (in diesem Fall aus therapeutischen Gründen, da es sich um einen Querschnittsgelähmten handelte).
Auch wenn solche Beispiele als Gehirn-Computer-Schnittstelle (auch BCI, für Brain-Computer Interface) bezeichnet werden, ist diese Art der Nutzung eines Computers vor allem *mechanisch* und setzt eine Überwachung oder sogar die vollständige Beteiligung der menschlichen Intelligenz voraus. Das macht den Unterschied zwischen KI und Robotik deutlicher.
......@@ -30,13 +28,11 @@ Trotzdem ergeben sich aus diesen neuen Entdeckungen auch zahlreiche ethische Pro
## Selbstfahrende Autos: wen soll KI sterben lassen?
Selbstfahrende Autos (oder autonome Fahrzeuge) befinden sich in der Entwicklung. Von BMW bis Uber investieren große Transportunternehmen in Projekte, deren Ziel die Schaffung eines vollständig autonomen, intelligenten Auto ist, das nicht von jemandem gelenkt werden muss.
Selbstfahrende Autos (oder autonome Fahrzeuge) befinden sich in der Entwicklung. Von BMW bis Uber investieren große Transportunternehmen in Projekte, deren Ziel die Schaffung eines vollständig autonomen, intelligenten Autos ist, das nicht von jemandem gelenkt werden muss.
Dies würde für das Transportwesen eine große Revolution bedeuten: wir müssten uns keine Sorgen darüber machen, ob wir einen Parkplatz in der Innenstadt finden oder ob wir während des Abendessens zu viel Wein trinken. Dies hätte auf die Nutzung des Autos keine Wirkung. Was sehr wohl das Verhalten des Autos beeinflusst, ist die Umgebung, in der es fährt. Abgesehen von der Interaktion mit anderen Fahrzeugen drängt sich folgende Frage auf: Wie würde das Auto auf einen vorhersehbaren Unfall reagieren?
[Eine sehr erfolgreiche vom MIT veröffentlichte Webseite](http://moralmachine.mit.edu/)[^moralmachine] hat versucht, eine Reihe von statistischen Daten zu erheben, die unsere Reaktion auf relativ ähnliche ethische Szenarien zeigen sollen. Basierend auf einem berühmten philosophischen Gedankenexperiment, das als *Straßenbahn-Problem* bekannt ist (wir werden dies im Kapitel **Neurowissenschaft und das Gesetz** ausführlicher erläutern), bietet die Website dem Besucher die Möglichkeit, selbst das nach seiner/ihrer Meinung richtige Verhalten des Fahrzeugs auszuwählen (bzw. was er/sie in einer solchen Situation tun würde). Würden sie zwei alte Damen oder eher einen gesunden jungen Läufer überfahren? Sollte bei der Entscheidung der Frage, wessen Leben in solchen extremen Fällen zu verschonen ist, der soziale Status und das Verhalten in der Vergangenheit berücksichtigt werden?
[^moralmachine]: http://moralmachine.mit.edu/
[Eine sehr erfolgreiche vom MIT veröffentlichte Webseite](http://moralmachine.mit.edu/) hat versucht, eine Reihe von statistischen Daten zu erheben, die unsere Reaktion auf relativ ähnliche ethische Szenarien zeigen sollen. Basierend auf einem berühmten philosophischen Gedankenexperiment, das als *Straßenbahn-Problem* bekannt ist (wir werden dies im Kapitel **Neurowissenschaft und das Gesetz** ausführlicher erläutern), bietet die Website dem Besucher die Möglichkeit, selbst das nach seiner/ihrer Meinung richtige Verhalten des Fahrzeugs auszuwählen (bzw. was er/sie in einer solchen Situation tun würde). Würden sie zwei alte Damen oder eher einen gesunden jungen Läufer überfahren? Sollte bei der Entscheidung der Frage, wessen Leben in solchen extremen Fällen zu verschonen ist, der soziale Status und das Verhalten in der Vergangenheit berücksichtigt werden?
Die Webseite ist hochinteressant, weil sie a) zeigt, wie widersprüchlich menschliche Entscheidungen sein können und eine unterschiedliche Beurteilung von Fällen zu Ungerechtigkeit führen könnte; und b) aufgrund von gegensätzlichen Gründen zeigt, dass das Experiment ähnlich einem menschlichen Auge in der Lage ist, wichtige spezifische Variablen zu erkennen, die die Ausnahme von der Regel moralisch akzeptabel – oder sogar moralisch erforderlich – machen könnten.
......@@ -45,7 +41,7 @@ Die Webseite ist hochinteressant, weil sie a) zeigt, wie widersprüchlich mensch
Während wir herausfinden wollten, wie Roboter in unseren Straßen fahren könnten, wurde viel Forschung betrieben, die auf ihren möglichen Einsatz in immer vertraulicheren Bereichen unseres Lebens abzielt und Robotern in unseren Häusern eine immer größere Rolle und Freiheit einräumen möchte.
Dies ist der Fall der Roboterassistenten, die als Unterstützung für eine Gruppe von Menschen in der Gesellschaft programmiert werden sollen, damit diese an ihrer Seite einen ständigen und verlässlichen Helfer haben. Zu diesen Gruppen gehören Menschen mit verschiedenen Formen von körperlichen Beeinträchtigungen und Behinderungen (vorübergehend oder dauerhaft) sowie Teile der Bevölkerung, die strukturell gesehen mehr Aufmerksamkeit benötigen – im Moment betrifft dies ältere Menschen, aber in naher Zukunft wären zum Beispiel *Lehrer-Roboter in Kindergärten* nicht unvorstellbar.
Dies ist der Fall der Pflegeroboter, die als Unterstützung für eine Gruppe von Menschen in der Gesellschaft programmiert werden sollen, damit diese an ihrer Seite einen ständigen und verlässlichen Helfer haben. Zu diesen Gruppen gehören Menschen mit verschiedenen Formen von körperlichen Beeinträchtigungen und Behinderungen (vorübergehend oder dauerhaft) sowie Teile der Bevölkerung, die strukturell gesehen mehr Aufmerksamkeit benötigen – im Moment betrifft dies ältere Menschen, aber in naher Zukunft wären zum Beispiel *Lehrer-Roboter in Kindergärten* nicht unvorstellbar.
Auch wenn die Ergebnisse dieses Trends im Umgang mit menschlichen Beziehungen auf guten Absichten beruhen, wirft dies einige Fragen auf, die alles andere als banal sind. Wir werden gleich darauf zurückkommen, aber zuerst sollte darauf hingewiesen werden, dass eine mit der Technologie einhergehende Bedrohung durch Roboter vielleicht übersehen wurde: sie können wie jedes andere technologische Gerät gehackt werden und lassen in Bezug auf eine mögliche Nutzung durch Kriminelle ernsthafte Zweifel aufkommen. [^hacking-robots]
......@@ -64,20 +60,20 @@ Diese Auswirkung könnte leicht die bereits sukzessive problematische Loslösung
## Roboter und Kriege
In Bezug auf das Problem der Erhaltung unserer Menschlichkeit gibt es eine andere Variante von Robotern, die analysiert werden muss. In den letzten Jahren wurde die schrittweise Einführung von unbemannten Flugzeugen (Drohnen) vorangetrieben. Bei militärischen Operationen werden weitgehend und vor allem in westlichen Ländern Drohnen eingesetzt, die meist von Piloten in ausgeklügelten Laboren auf der anderen Seite des Planeten ferngesteuert werden und deren moralische Legitimität darauf begründet, dass sie die Anzahl der Opfer begrenzen und helfen, Menschenleben (in diesem Fall das Leben von Soldaten) zu erhalten. Abgesehen von der politischen Analyse in Bezug auf die mögliche Differenz im Wert gleichwertigen Lebens, müssen wir weiterhin die Implikationen dieser Technologie als ein komplexeres Problem betrachten als es beschrieben wurde. Schließlich wäre es zu einfach, diese ausschließlich als positiv darzustellen, wenn dem denn so wäre.
In Bezug auf das Problem der Erhaltung unserer Menschlichkeit gibt es eine andere Variante von Robotern, die analysiert werden muss. In den letzten Jahren wurde die schrittweise Einführung von unbemannten Flugzeugen (Drohnen) vorangetrieben. Bei militärischen Operationen werden weitgehend und vor allem in westlichen Ländern Drohnen eingesetzt, die meist von Piloten in ausgeklügelten Laboren auf der anderen Seite des Planeten ferngesteuert werden und deren moralische Legitimität darauf begründet, dass sie die Anzahl der Opfer begrenzen und helfen, Menschenleben (in diesem Fall das Leben von Soldaten) zu erhalten. Abgesehen von der politischen Analyse in Bezug auf die mögliche Differenz im Wert gleichwertigen Lebens, müssen wir weiterhin die Implikationen dieser Technologie als ein komplexeres Problem betrachten als es beschrieben wurde. Schließlich wäre es zu einfach, diese ausschließlich als positiv darzustellen, wenn dem denn so wäre.
Man sollte in Verbindung mit den oben erwähnten Sorgen die Frage der Auswirkungen dieser Technologie auf die Art unserer Interaktionen mit anderen Menschen und die Weise erörtern, wie diese unser Verhalten über die vermeintlich gegebene Funktionalität hinaus formen würde.
Jene Piloten, die beispielsweise die Drohnen in ihren Heimatländern manövrieren, beenden ihre Schicht (während sie genauso gut unschuldige Babys durch Zufall getötet haben könnten) und werden dann in ihr *normales* Leben zurückkatapultiert. Paradoxerweise scheint diese schizophrene Art, ihr Leben zu leben, mehr Probleme und Ungleichgewichte zu erzeugen, als ursprünglich angenommen und die Auswirkungen müssen daher mit Bedacht berücksichtigt werden.
Es ist wichtig, auch das zunehmend realistische dystopische Szenario von Kriegsrobotern in Betracht zu ziehen, denen es erlaubt wird, *allein* darüber zu entscheiden, ob sie schießen wollen oder nicht. Es besteht weitgehende Einigkeit darüber, dass wir nicht auf die Programmierung eines Roboters abzielen sollten, der in der Lage ist, einen Menschen ohne die Zustimmung eines anderen Menschen zu erschießen, aber es gibt realistische Fälle, in denen eine solche Option nicht als besonders problematisch angesehen wird. Noch wichtiger ist jedoch, dass wir die Hacking-Anfälligkeit dieser Technologien im Auge behalten und uns über ihre potentiellen katastrophalen Auswirkungen nachdenken, wenn wir sie in die falschen Hände legen würden.
Es ist wichtig, auch das zunehmend realistische dystopische Szenario von Kriegsrobotern in Betracht zu ziehen, denen es erlaubt wird, *allein* darüber zu entscheiden, ob sie schießen wollen oder nicht. Es besteht weitgehende Einigkeit darüber, dass wir nicht auf die Programmierung eines Roboters abzielen sollten, der in der Lage ist, einen Menschen ohne die Zustimmung eines anderen Menschen zu erschießen, aber es gibt realistische Fälle, in denen eine solche Option nicht als besonders problematisch angesehen wird. Noch wichtiger ist jedoch, dass wir die Hacking-Anfälligkeit dieser Technologien im Auge behalten und über ihre potentiellen katastrophalen Auswirkungen nachdenken, wenn wir sie in die falschen Hände legen würden.
## Roboter und Automatisierungen
Schließlich ist es notwendig auf die sozioökonomischen Auswirkungen von Robotern hinzuweisen. Politiker, Akademiker und Entscheidungsträger haben begonnen, sich verstärkt mit dem Phänomen der zunehmenden industriellen Automatisierung auseinanderzusetzen, weil diese für viele Menschen eine Bedrohung der Arbeitsplätze darstellt.
Um zu klären, wer bei einem durch den Fehler eines Roboters verursachten Unfalls schuld ist, [hat das Europäische Parlament kürzlich vorgeschlagen, Maschinen einige Rechte zu gewähren, um sie zu legalen Einheiten zu machen](Http: // www.europarl.europa.eu/news/en/press-room/20170210IPR61808/robots-and-artificial-intelligence-meeps-call-for-eu-wide-liability-rules). Es war keine Überraschung, dass dies zu einer intensiven Diskussion zwischen Wissenschaftlern und der breiten Öffentlichkeit geführt hat, da viele diesen Schritt als ersten Schritt zur Schaffung zusätzlicher Wettbewerber in einer Welt sehen, die bereits zu wenig Arbeitsplätze hat und überbevölkert ist. Skeptiker der Positivität der *Robo-Revolution* erkennen im Kontext einer immer stärker werdenden Automatisierung unserer Produktionsketten eine Verbindung in der Zunahme der Unabhängigkeit von Robotern und einer Verringerung des Wertes der Menschen – der Arbeiter oder anderer.
Um zu klären, wer bei einem durch den Fehler eines Roboters verursachten Unfalls schuld ist, [hat das Europäische Parlament kürzlich vorgeschlagen, Maschinen einige Rechte zu gewähren, um sie zu legalen Einheiten zu machen](http://www.europarl.europa.eu/news/en/press-room/20170210IPR61808/robots-and-artificial-intelligence-meeps-call-for-eu-wide-liability-rules). Es war keine Überraschung, dass dies zu einer intensiven Diskussion zwischen Wissenschaftlern und der breiten Öffentlichkeit geführt hat, da viele diesen Schritt als ersten Schritt zur Schaffung zusätzlicher Wettbewerber in einer Welt sehen, die bereits zu wenig Arbeitsplätze hat und überbevölkert ist. Skeptiker der Positivität der *Robo-Revolution* erkennen im Kontext einer immer stärker werdenden Automatisierung unserer Produktionsketten eine Verbindung in der Zunahme der Unabhängigkeit von Robotern und einer Verringerung des Wertes der Menschen – der Arbeiter oder anderer.
[^rights-to-machines]: http://www.europarl.europa.eu/news/en/press-room/20170210IPR61808/robots-and-artificial-intelligence-meps-call-for-eu-wide-liability-rules
......@@ -89,9 +85,9 @@ Technologie-Enthusiasten behaupten stattdessen, dass dies der richtige Weg zu me
Pitsch, K. 2016. Limits and opportunities for mathematizing communicational conduct for social robotics in the real world? Toward enabling a robot to make use of the human’s competences. *AI & Society* 31(4), pp. 587-593. <https://doi.org/10.1007/s00146-015-0629-0>
Scheutz, M. & T. Arnold. 2016. Feats without Heroes: Norms, Means, and Ideal Robotic Action. *Frontiers in Robotics and AI*. <https://doi.org/10.3389/frobt.2016.00032>
Scheutz, M. & Arnold, T. 2016. Feats without Heroes: Norms, Means, and Ideal Robotic Action. *Frontiers in Robotics and AI*. <https://doi.org/10.3389/frobt.2016.00032>
Veruggio, G., Solis, J. & M. Van der Loos. 2011. Roboethics: Ethics Applied to Robotics, *IEEE Robotics & Automation Magazine* 18(1), pp.21-22. <https://doi.org/10.1109/MRA.2010.940149>
Veruggio, G., Solis, J. & Van der Loos, M. 2011. Roboethics: Ethics Applied to Robotics, *IEEE Robotics & Automation Magazine* 18(1), pp.21-22. <https://doi.org/10.1109/MRA.2010.940149>
Weiss, S. 2013. Raunchy robotics: the ethics of sexbots. <https://hcri.brown.edu/2013/06/18/raunchy-robotics-the-ethics-of-sexbots/>
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......@@ -10,13 +10,13 @@ Wir werden daher die zeitgemäßen Argumente untersuchen, die eine Lebensverlän
## Umweltethik
Umweltethik befasst sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Umwelt. Infolge der Fortschritte in der Industrie und Technologie, des Bevölkerungswachstums und der wirtschaftlichen Expansion steht seit den 1960er Jahren der Einfluss des Menschen auf die Natur aufgrund ethischer Sorge um Flora und Fauna immer mehr im Fokus von Untersuchungen.
Umweltethik befasst sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Umwelt. Infolge der Fortschritte in der Industrie und Technologie, des Bevölkerungswachstums und der wirtschaftlichen Expansion steht seit den 1960er Jahren der Einfluss des Menschens auf die Natur aufgrund ethischer Sorge um Flora und Fauna immer mehr im Fokus von Untersuchungen.
Der drastische Bevölkerungszuwachs in den letzten drei Jahrzehnten, die Umweltverschmutzung und der Abbau der natürlichen Ressourcen haben die Sorge um die Erhaltung der Erde für zukünftige Generationen, um den Verlust der Wildnis und die Probleme der öffentlichen Gesundheit verstärkt. Wir erkennen jedoch im Zusammenhang mit der EE zwei wesentliche Fragen: Welche Verpflichtungen haben wir als Menschen gegenüber der Umwelt und warum haben wir diese? Bei der Beantwortung der letzteren (in gewissem Sinne der entscheidenden Frage) tauchen andere philosophische Unterfragen auf. So zum Beispiel die Frage, ob es Sinn machen würde, sich um die Umwelt zu kümmern, wenn es keine Menschen mehr gäbe.
Der drastische Bevölkerungszuwachs in den letzten drei Jahrzehnten, die Umweltverschmutzung und der Abbau der natürlichen Ressourcen haben die Sorge um die Erhaltung der Erde für zukünftige Generationen, um den Verlust der Wildnis und die Probleme der öffentlichen Gesundheit verstärkt. Wir erkennen jedoch im Zusammenhang mit der EE zwei wesentliche Fragen: Welche Verpflichtungen haben wir als Menschen gegenüber der Umwelt und warum haben wir diese? Bei der Beantwortung der letzteren (in gewissem Sinne der entscheidenden Frage) tauchen andere philosophische Unterfragen auf. So zum Beispiel die Frage, ob es Sinn ergeben würde, sich um die Umwelt zu kümmern, wenn es keine Menschen mehr gäbe.
Ohne in die tiefe Dimension einzutauchen, die ein Versuch der Beantwortung dieser Frage erfordert, müssen wir dennoch darauf hinweisen, dass eine negative Antwort unseren (sicherlich v.a. westlichen) anthropozentrischen Umgang mit der Natur überanstrengen würde.
Für manche stellt diese Haltung ein Problem dar. Die Tatsache, dass Menschen in einigen Traditionen die einzigen sind, denen eine moralische Bedeutung zustehen soll, wurde von einigen Umweltschützern als strukturelles Problem angesehen, das uns gegenüber Tieren und Pflanzen nicht ausreichend einfühlsam hat werden lassen. Es hat dazu beigetragen, dass wir die Natur als etwas Äußeres betrachten, das wir folglich ausbeuten können aber dennoch erhaltenswert ist.
Für manche stellt diese Haltung ein Problem dar. Die Tatsache, dass Menschen in einigen Traditionen die einzigen sind, denen eine moralische Bedeutung zustehen soll, wurde von einigen Umweltschützern als strukturelles Problem angesehen, das uns gegenüber Tieren und Pflanzen nicht ausreichend einfühlsam hat werden lassen. Es hat dazu beigetragen, dass wir die Natur als etwas Äußeres betrachten, das wir folglich ausbeuten können, das aber dennoch erhaltenswert ist.
Unabhängig davon, ob wir bei der Bestimmung dessen, was in Bezug auf die Umwelt als ethisches Verhalten angesehen werden kann, eine anthropozentrische oder nicht-anthropozentrische Argumentation anwenden: wir scheinen ein Stadium erreicht zu haben, in dem wir gegen Verschmutzung und globale Erwärmung ohnehin etwas unternehmen müssen. Allerdings könnte unsere Sichtweise die Bewertung unserer sonstigen Möglichkeiten zur Implementierung von Technologie im Zusammenhang mit Umweltproblemen (im weitesten Sinne) prägen.
......@@ -68,13 +68,13 @@ Zweitens hätte ein solcher Ansatz große Auswirkungen auf das Problem der Über
## Geotechnik
Abgesehen von einigen sporadischen Ausnahmen war die Erderwärmung in den letzten zwei Jahrzehnten eines der meistdiskutierten Themen der internationalen Gemeinschaft und damit die Chance auf eine Verringerung der Treibhausgasemissionen. Die Umsetzung des Plans war wie allzu oft, wenn es darum geht, Menschen auf der ganzen Welt bei einem lobenswerten Vorgehen zu koordinieren, nicht erfolgreich. Wir stehen jetzt vor einer Situation, in der es so aussieht, als könnte sie nur noch schlimmer werden.
Abgesehen von einigen sporadischen Ausnahmen war die Erderwärmung in den letzten zwei Jahrzehnten eines der meistdiskutierten Themen der internationalen Gemeinschaft und damit die Chance auf eine Verringerung der Treibhausgasemissionen. Die Umsetzung des Plans war, wie allzu oft, wenn es darum geht, Menschen auf der ganzen Welt bei einem lobenswerten Vorgehen zu koordinieren, nicht erfolgreich. Wir stehen jetzt vor einer Situation, in der es so aussieht, als könnte sie nur noch schlimmer werden.
In dieser Situation begann die Idee der Geotechnik in den letzten Jahren an Präsenz und Akzeptanz zu gewinnen, womöglich auch wegen der beeindruckenden Fortschritte in anderen Bereichen (z.B. Medizin) dank der Technologie. Infolgedessen entstand die Hoffnung, dass Technologie auch in diesem Zusammenhang die Lösung sein könnte.
Wissenschaftler haben begonnen, sich wirklich mit dieser Vision zu befassen und es gibt jetzt viele Unternehmen, die diese Option aktiv erforschen. Sie umfasst unter anderem auch die *grüne Energie* und *grüne Wirtschaft*. Von Schwämmen, die das Meer von Öl reinigen können, bis hin zu Solarmodulen mit höherer Leistung bieten sich immer mehr Möglichkeiten zur Begrenzung unseres Einflusses auf diesen Planeten und zur Verkleinerung unseres CO2-Fußabdrucks.
Solche Beispiele genügen jedoch für drastischere Änderungen nicht, und das ist es, worum es bei Geotechnik wirklich geht. Wir fokussieren uns auf zwei spezifische Techniken dieser Art.
Solche Beispiele genügen für drastischere Änderungen jedoch nicht, und das ist es, worum es bei Geotechnik wirklich geht. Wir fokussieren uns auf zwei spezifische Techniken dieser Art.
Die erste Technik, die wir untersuchen sollten, ist diejenige, die von Geoingenieuren am meisten diskutiert wird und von der angenommen wird, dass sie im Falle der Umsetzung die besten Erfolgschancen hat: die Technologie der Versprühung von Sulfatpartikeln in die Stratosphäre – auch unter der Bezeichnung *Beeinflussung der Solarstrahlung* (SRM, für Solar Radiation Management) bekannt.
......@@ -87,15 +87,15 @@ Diese kurze Reise können wir dank dieser Innovation mit zwei positiven Anmerkun
## Weiterführende Literatur
Brennan, A. & Y. S. Lo. 2016. Environmental Ethics *The Stanford Encyclopedia of Philosophy* <https://plato.stanford.edu/entries/ethics-environmental/>
Brennan, A. & Lo, Y. S. 2016. Environmental Ethics *The Stanford Encyclopedia of Philosophy* <https://plato.stanford.edu/entries/ethics-environmental/>
Corner, A. & N. Pidgeon. 2014. Geoengineering, climate change scepticism and the ‘moral hazard’ argument: an experimental study of UK public perceptions *Phil. Trans. R. Soc.* A 372: 20140063 <https://doi.org/10.1098/rsta.2014.0063>
Corner, A. & Pidgeonn, N. 2014. Geoengineering, climate change scepticism and the ‘moral hazard’ argument: an experimental study of UK public perceptions *Phil. Trans. R. Soc.* A 372: 20140063 <https://doi.org/10.1098/rsta.2014.0063>
Garasic, M. D. & D. Sperling. 2015. Mitochondrial replacement therapy and parenthood *Global Bioethics* (26(3-4), pp. 198-205. <https://doi.org/10.1080/11287462.2015.1066082>
Garasic, M. D. & Sperling, D. 2015. Mitochondrial replacement therapy and parenthood *Global Bioethics* (26(3-4), pp. 198-205. <https://doi.org/10.1080/11287462.2015.1066082>
Palacios-González, C. 2015. Human dignity and the creation of human–nonhuman chimeras *Med Health Care* Philos 18(4), pp. 487–499. <https://doi.org/10.1007/s11019-015-9644-7>
Pasztor, J. & S. Sy. 2016. The Ethics and Governance of Geoengineering *Ethics Matter* <https://www.carnegiecouncil.org/studio/multimedia/20161212-the-ethics-and-governance-of-geoengineering>
Pasztor, J. & Sy, S. 2016. The Ethics and Governance of Geoengineering *Ethics Matter* <https://www.carnegiecouncil.org/studio/multimedia/20161212-the-ethics-and-governance-of-geoengineering>
## Dazugehörige Videos
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# Neurowissenschaft und Recht
Was haben Neurowissenschaft und Recht gemeinsam und warum sollten wir eine solche Beziehung für so eigentümlich halten, dass wir ihr ein ganzes Kapitel widmen? Die Antwort ist wahrscheinlich in dieser Tatsahe zu sehen: ihre Beziehung, die – mit ihren Grenzen und fortwährenden Veränderungen – steht vollkommen im Einklang mit dem Entwicklungsverlauf dieses Moduls, mit dem Willen zu mehr Engagement und einem besseren Verständnis davon, wie Technologie und Ethik künftig interagieren könnten und sollten.
Was haben Neurowissenschaft und Recht gemeinsam und warum sollten wir eine solche Beziehung für so eigentümlich halten, dass wir ihr ein ganzes Kapitel widmen? Die Antwort ist wahrscheinlich in dieser Tatsache zu sehen: ihre Beziehung – mit ihren Grenzen und fortwährenden Veränderungen – steht vollkommen im Einklang mit dem Entwicklungsverlauf dieses Moduls, mit dem Willen zu mehr Engagement und einem besseren Verständnis davon, wie Technologie und Ethik künftig interagieren könnten und sollten.
Die Verbindung zwischen den beiden Bereichen ist aus zwei Gründen unausweichlich. Auf der einen Seite werden Anwälte immer versuchen, die Interessen ihrer Kunden bestmöglich zu vertreten. Jeder technologische Fortschritt, der ihre Argumentation stützen könnte oder Beweise gegen eine Beschuldigung ihrer Klienten liefern könnte, kann daher nur positiv gesehen werden.
Auf der anderen Seite tendieren die Rechtssysteme zu einer Abwägung von Beweisen, wenn es um die Klärung des Verhaltens von Person X bei ihrem Versuch der Regulierung der Gesellschaft und der Anwendung eines kohärenten Gerechtigkeitskodexes geht.
Dennoch, die Anwendung der Neurowissenschaft auf realen Fallszenarien wirft oder wird eine Reihe von Fragen aufwerfen, die aufmerksam analysiert werden müssen, da ihre Auswirkungen zu einer drastischen Umgestaltung unserer Gesellschaft und unserer Art der Konzeptualisierung von Gesetzen und Strafen führen könnten. Wir werden uns im Folgenden einige dieser Beispiele ansehen.
Dennoch wirft oder wird die Anwendung der Neurowissenschaft auf realen Fallszenarien eine Reihe von Fragen aufwerfen, die aufmerksam analysiert werden müssen, da ihre Auswirkungen zu einer drastischen Umgestaltung unserer Gesellschaft und unserer Art der Konzeptualisierung von Gesetzen und Strafen führen könnten. Wir werden uns im Folgenden einige dieser Beispiele ansehen.
## Freier Wille
Der Begriff des freien Willens ist in einem retributivistischen Rechtssystem von grundlegender Bedeutung, da die Möglichkeit der Wahl zum anderweitigen Handeln in bestimmten Fällen Teil der Beurteilung der Schwere des Verbrechens ist und die Bewertung der Strafe als rückwärtsgewandt betrachtet wird. Dies bedeutet, die spezifischen Variablen jenes bestimmten Individuums für dessen Gesetzesbruch zu berücksichtigen.
Der Begriff des freien Willens ist in einem retributivistischen Rechtssystem von grundlegender Bedeutung, da die Möglichkeit der Wahl zum anderweitigen Handeln in bestimmten Fällen Teil der Beurteilung der Schwere des Verbrechens ist und die Bewertung der Strafe als rückwärtsgewandt betrachtet wird. Dies bedeutet, dass die spezifischen Variablen jenes bestimmten Individuums für dessen Gesetzesbruch zu berücksichtigen sind.
Einige Neurowissenschaftler und Philosophen haben in den letzten Jahren durch eine Reihe von Experimenten (vor allem von Benjamin Libet) (https://www.youtube.com/watch?v=OjCt-L0Ph5o) [^7] die Legitimität dieser *Illusion* in Frage gestellt. Diese bestätigen, dass ein zukunftsorientiertes Strafsystem – als reines konsequenzialistisches System – sowohl sozial als auch politisch der Gesellschaft viel bessere Ergebnisse garantieren würde.
Einige Neurowissenschaftler und Philosophen haben in den letzten Jahren durch eine Reihe von Experimenten ([vor allem von Benjamin Libet](https://www.youtube.com/watch?v=OjCt-L0Ph5o)) [^7] die Legitimität dieser *Illusion* in Frage gestellt. Diese bestätigen, dass ein zukunftsorientiertes Strafsystem – als reines konsequenzialistisches System – sowohl sozial als auch politisch der Gesellschaft viel bessere Ergebnisse garantieren würde.
Abgesehen von den üblichen Risiken, die mit einigen vielleicht zu optimistischen Darstellungen unserer Ergebnisse verbunden sind, scheint eines klar und zweifelsfrei zu sein: Sollten die Behörden die Abwesenheit des freien Willens offiziell akzeptieren, würden wir höchstwahrscheinlich eine Ära des Chaos betreten, weil sich niemand für seine Handlungen und sein unethisches Verhalten verantwortlich oder schuldig fühlen würde. Und dies liegt daran, dass wir alle uns von der Tatsache gerechtfertigt fühlen, dass das Verbrechen ohnehin passieren musste und wir nicht anders hätten handeln können. Ist unsere moralische Verbesserung, bevor wir die Abwesenheit des freien Willens offiziell akzeptieren müssen, der einzige Weg zur Verhinderung einer solchen dystopischen Zukunft (wie im Kapitel über Verbesserung erwähnt, ist es keine Überraschung, dass Posthumanisten eine konsequenzialistische Lebensphilosophie vertreten)?
Abgesehen von den üblichen Risiken, die mit einigen vielleicht zu optimistischen Darstellungen unserer Ergebnisse verbunden sind, scheint eines klar und zweifelsfrei zu sein: Sollten die Behörden die Abwesenheit des freien Willens offiziell akzeptieren, würden wir höchstwahrscheinlich eine Ära des Chaos betreten, weil sich niemand für seine Handlungen und sein unethisches Verhalten verantwortlich oder schuldig fühlen würde. Dies liegt daran, dass wir uns alle von der Tatsache gerechtfertigt fühlen, dass das Verbrechen ohnehin passieren musste und wir nicht anders hätten handeln können. Ist unsere moralische Verbesserung (wie im Kapitel über Verbesserung erwähnt, ist es keine Überraschung, dass Posthumanisten eine konsequenzialistische Lebensphilosophie vertreten), bevor wir die Abwesenheit des freien Willens offiziell akzeptieren müssen, der einzige Weg zur Verhinderung einer solchen dystopischen Zukunft?
Obwohl es das Strafrecht nicht grundsätzlich betrifft, ist es sicherlich interessant zu wissen, welche theologischen Implikationen eine solche Revolution haben würde. Schließlich glauben die meisten Religionen der Welt, dass jeder von uns eine aktive Anstrengung unternehmen sollte, um den – oft herausfordernden – Weg zur moralisch hohen Gesinnung zu finden. Wenn wir uns in einen Zustand versetzen würden, in dem unsere Freiheit anders zu handeln, verschwinden würde – auf welche Weise könnten wir unsere Verpflichtung zu einer solchen Mission unter Beweis stellen? Und – vielleicht noch wichtiger – wie könnten wir weiterhin solche Religionen verstehen, die uns (durch einzelne, freie, autonome Individuen, die für die spezifische Verzweigung einer bestimmten Theologie so zentral sind) vor vollendete Tatsachen stellen? Wie könnten wir (moralisch gesehen) rechtswidrige Sünder sein, wenn es keine wirkliche Sünde gäbe, die man begehen könnte?
Obwohl es das Strafrecht nicht grundsätzlich betrifft, ist es sicherlich interessant zu betrachten, welche theologischen Implikationen eine solche Revolution haben würde. Schließlich glauben die meisten Religionen der Welt, dass jeder von uns sich aktiv anstrengen sollte, um dem – oft herausfordernden – Weg zur moralisch hohen Gesinnung zu folgen. Wenn wir uns in einen Zustand versetzen würden, in dem unsere Freiheit, anders zu handeln, verschwinden würde – auf welche Weise könnten wir unsere Verpflichtung zu einer solchen Mission unter Beweis stellen? Und – vielleicht noch wichtiger – wie könnten wir weiterhin solche Religionen verstehen, die uns (einzelne, freie, autonome Individuen, die für die spezifische Verzweigung einer bestimmten Theologie so zentral sind) vor vollendete Tatsachen stellen? Wie könnten wir (moralisch gesehen) rechtswidrige Sünder sein, wenn es keine wirkliche Sünde gäbe, die man begehen könnte?
## Wiederherstellung des Bewusstseins zur Sicherstellung des Leidens
Im Oktober 2003 erlaubte der Oberste Gerichtshof der USA den Beamten von Arkansas Charles Laverne Singleton, einen schizophrenen, wegen Mordes verurteilten Gefangenen, zur Einnahme bestimmter Medikamente zu zwingen. Diese sollten ihn für seine Hinrichtung zurechnungsfähig machen. Am 6. Januar 2004 wurde er durch eine Giftspritze hingerichtet, was viele ethische Fragen aufgeworfen hat.
Die relevanteste Frage bezieht sich unter anderem auf die Tatsache, dass er gezwungen wurde, psychotrope (wesensverändernde) Medikamente einzunehmen, die ihn die Hinrichtung bei vollem Bewusstsein erleben ließen.[6] Dies mag auch eine Auslegung des Gesetzes sein (schließlich war er so sowohl zum Zeitpunkt des Verbrechens als auch zum Zeitpunkt der Hinrichtung zurechnungsfähig), aber dieser Austausch von Wissen und Vorstellung zwischen Recht und Neurowissenschaft ist sicherlich umstritten.
Die relevanteste Frage bezieht sich unter anderem auf die Tatsache, dass er gezwungen wurde, psychotrope (wesensverändernde) Medikamente einzunehmen, die ihn die Hinrichtung bei vollem Bewusstsein erleben ließen.[^6] Dies mag auch eine Auslegung des Gesetzes sein (schließlich war er so sowohl zum Zeitpunkt des Verbrechens als auch zum Zeitpunkt der Hinrichtung zurechnungsfähig), aber dieser Austausch von Wissen und Vorstellung zwischen Recht und Neurowissenschaft ist sicherlich umstritten.
Warum wollen wir, dass er wegen seiner vergangenen Handlungen bewusst leidet? Wenn dies das Argument ist, das der erzwungenen Medikation als Rechtfertigung dient, sollten wir eine Zunahme von Einzelfall-Verurteilungen basierend auf der neurologischen Karte und Geschichte jedes Kriminellen erwarten? Die Neurowissenschaft wurde bereits oft zur Abmilderung einer Strafe verwendet, künftig wird sie vielleicht direkt der Ausgestaltung der Strafe dienen.
......@@ -33,7 +33,7 @@ Warum wollen wir, dass er wegen seiner vergangenen Handlungen bewusst leidet? We
Mit der Absicht der Schaffung nützlicher Grundlagen für die öffentliche Politik diskutierten verschiedene Wissenschaftler in letzter Zeit die Herausforderung, die leistungssteigernde Medikamente (PEDs, für performance enhancing drugs) für unser Konzept von Verantwortung darstellen könnten.
Besondere Aufmerksamkeit galt dabei dem möglichen Aufkommen neuer Pflichten durch die Empfindlichkeit bestimmter Berufe und den erwarteten sozial vorteilhaften Auswirkungen, die einige PED in solchen Kontexten hervorrufen könnten. Mit Blick auf bestimmte Berufe wie den des Chirurgen oder Piloten haben einige einen *sozial verantwortlichen Innovationsansatz* eingeführt, der die Idee vertritt, dass in Zukunft auf viele Fachleute neue Aufgaben zukommen könnten.
Besondere Aufmerksamkeit galt dabei dem möglichen Aufkommen neuer Pflichten durch die Empfindlichkeit bestimmter Berufe und den erwarteten sozial vorteilhaften Auswirkungen, die einige PED in solchen Kontexten hervorrufen könnten. Mit Blick auf bestimmte Berufe wie die des Chirurgen oder des Piloten haben einige einen *sozial verantwortlichen Innovationsansatz* eingeführt, der die Idee vertritt, dass in Zukunft auf viele Fachleute neue Aufgaben zukommen könnten.
In einem eher gesetzlich orientierten und spezifischen Rahmen haben einige Wissenschaftler über die gesetzlichen Verpflichtungen spekuliert, die erwartungsgemäß von Chirurgen befolgt werden müssten. Ihre Schlussfolgerung ist, dass der Einsatz von PEDs derzeit Chirurgen nicht auferlegt werden kann, da die Sicherheit ihrer Verwendung ungewiss ist. Wenn es uns gelingen würde, PEDs ohne Nebenwirkungen herzustellen (wie es in der IDF-Studie versucht wurde), könnte sich das juristische Szenario jedoch ändern.
Dieser Ansatz kann die Folgen einer solchen Änderung auf die Gesellschaft als Ganzes nicht absehen. Werden wir irgendwann von jedem Hyper-Leistungen erwarten? Zu welchem Zweck?
......@@ -51,15 +51,17 @@ Ein noch aggressiverer Umgang mit dieser passiven Rolle des Individuums spiegelt
Da ihre Genauigkeit ständig verbessert wird, werden wir bald in der Lage sein, das Gesicht einer dritten Person aus den Erinnerungen eines Angeklagten oder eines Gefangenen – oder sogar einer freien Person – zu extrahieren. Auch gegen ihren Willen. Sollten wir dies mit Wohlwollen als eine Möglichkeit zur unbedingten Gewährleistung der Wahrheit sehen oder sollten wir dem *Recht auf kognitive Freiheit* und den davon abgeleiteten Rechten gestatten, bestimmte Bereiche unseres Gehirns nur mit ausdrücklicher Erlaubnis zu betreten?
[^6]: Garasic, M. D. 2013. The Singleton case: enforcing medical treatment to put a person to death Medicine, Health Care and Philosophy 16(4), pp. 795-806. <https://doi.org/10.1007/s11019-013-9462-8>
## Weiterführende Literatur
De Caro, M. & A. Lavazza. 2014. Free Will as an Illusion: Ethical and Epistemological Consequences of an Alleged Revolutionary Truth *Social Epistemology Review and Reply Collective* 3(12), pp. 40-50. <https://social-epistemology.com/2014/11/03/free-will-as-an-illusion-ethical-and-epistemological-consequences-of-an-alleged-revolutionary-truth-mario-de-caro-and-andrea-lavazza/>
De Caro, M. & Lavazza, A. 2014. Free Will as an Illusion: Ethical and Epistemological Consequences of an Alleged Revolutionary Truth *Social Epistemology Review and Reply Collective* 3(12), pp. 40-50. <https://social-epistemology.com/2014/11/03/free-will-as-an-illusion-ethical-and-epistemological-consequences-of-an-alleged-revolutionary-truth-mario-de-caro-and-andrea-lavazza/>
Ienca, M. & R. Andorno. 2017. Towards new human rights in the age of neuroscience and neurotechnology *Life Sciences, Society and Policy* 13(5) <https://doi.org/10.1186/s40504-017-0050-1>
Ienca, M. & Andorno, R. 2017. Towards new human rights in the age of neuroscience and neurotechnology *Life Sciences, Society and Policy* 13(5) <https://doi.org/10.1186/s40504-017-0050-1>
Langleben, D. D. & J. Campbell Moriarty. 2013. Using Brain Imaging for Lie Detection: Where Science, Law and Research Policy Collide *Psychol Public Policy Law* 19(2), pp. 222-234. <https://dx.doi.org/10.1037/a0028841>
Langleben, D. D. & Campbell Moriarty, J. 2013. Using Brain Imaging for Lie Detection: Where Science, Law and Research Policy Collide *Psychol Public Policy Law* 19(2), pp. 222-234. <https://dx.doi.org/10.1037/a0028841>
Santoni de Sio F., Faulmüller, N. & N. A. Vincent. 2014. How cognitive enhancement can change our duties *Front. Syst. Neurosci.* 8(131) <https://doi.org/10.3389/fnsys.2014.00131>
Santoni de Sio, F., Faulmüller, N. & Vincent, N. A. 2014. How cognitive enhancement can change our duties *Front. Syst. Neurosci.* 8(131) <https://doi.org/10.3389/fnsys.2014.00131>
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