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Sprachliche Korrektur II

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......@@ -26,11 +26,11 @@ Da Verbesserungen (insbesondere die körperlichen) auch genetische Verbesserunge
Von mehreren Kritikpunkten gegen die Ansicht von Habermas sind zwei besonders relevant und in diesem Zusammenhang beachtenswert. Man könnte erstens argumentieren, dass die Einschränkungen der körperlichen Autonomie, unter denen ein schwerbehinderter Mensch aufgrund mangelnder Implementierung zugänglicher Mittel zur genetischen Verbesserung in dem Verfolgen der eigenen Prioritäten im Leben leiden könnte, einen viel größeren destabilisierenden Faktor für die Freiheit des Individuums darstellen könnten, als das Wissen darüber, dass seine Eltern die Gene wissenschaftlich ausgewählt haben. Zweitens könnten wir das berühmte Argument aus dem Werk **Liberale Eugenik** von Nicholas Agar anwenden: wenn wir – so wie wir es auch tun – die Umweltverbesserung (z. B. Privatschulen, Musikunterricht, exklusive Sporteinrichtungen usw.) als hinnehmbares elterliches Verhalten akzeptieren, warum sollten wir dann die genetische Verbesserung nicht als eine Variante derselben Prinzipien betrachten?
Natürlich könnte auch das Gegenargument zu dieser Einschätzung dessen, was erlaubt werden sollte, angewendet werden. Wir könnten nämlich bestätigen, dass angesichts der Tatsache, dass die Umweltverbesserung die Kluft zwischen *Reich* und *Arm* immer größer werden lässt und dies negative moralische und politische Folgen hat, es wahrscheinlich weise wäre, die genetische Verbesserung nicht einzuführen.
Natürlich könnte auch das Gegenargument zu dieser Einschätzung dessen, was erlaubt werden sollte, angewendet werden. Wir könnten nämlich bestätigen, dass angesichts der Tatsache, dass die Umweltverbesserung die Kluft zwischen *reich* und *arm* immer größer werden lässt und dies negative moralische und politische Folgen hat, es wahrscheinlich weise wäre, die genetische Verbesserung nicht einzuführen.
## Politik und Verbesserungen
Sarah Chan und John Harris beschreiben es treffend: "*eine Verbesserung (wie wir sie verstehen) ist etwas, das der Einzelperson nutzt.*"[^3] Diese häufig geteilte transhumanistische Definition von Verbesserung könnte als ausreichender Beweis dafür angesehen werden, dass Verteilungsgerechtigkeit kein wirklich zentraler Punkt der HE-Ideologie ist. Letzten Endes ist die Hegelsche Vision von Fortschritt die Wurzel der HE. Zutreffend zieht Harris eine Parallele zwischen der HE und der Verwendung von Kerzen und beteuert, dass wir die Ersteren im Hinblick auf die Vorteile, die wir durch die Nutzung der Letzteren erzielen könnten, nicht ausschließen sollten. Laut Harris müssten wir lediglich an Dingen wie Arbeitsstunden, Mindestlöhnen, etc. arbeiten.
Sarah Chan und John Harris beschreiben es treffend: "*eine Verbesserung (wie wir sie verstehen) ist etwas, das der Einzelperson nutzt.*"[^3] Diese häufig geteilte transhumanistische Definition von Verbesserung könnte als ausreichender Beweis dafür angesehen werden, dass Verteilungsgerechtigkeit kein wirklich zentraler Punkt der HE-Ideologie ist. Letzten Endes ist die Hegelsche Vision von Fortschritt die Wurzel der HE. Zutreffend zieht Harris eine Parallele zwischen der HE und der Verwendung von Kerzen und beteuert, dass wir die Erstere im Hinblick auf die Vorteile, die wir durch die Nutzung der Letzteren erzielen könnten, nicht ausschließen sollten. Laut Harris müssten wir lediglich an Dingen wie Arbeitsstunden, Mindestlöhnen, etc. arbeiten.
Als Antwort auf diese historische Analyse (und als Ergebnis der möglichen Folgen künftiger Implementierungen von HE) könnte eine Links-Hegelsche Perspektive zur Betrachtung von Harris' Beispiel interessant sein: möglicherweise war das Aufkommen der Kerze der Punkt, an dem das Ausmaß der Ausbeutung von Arbeitnehmern einen Wendepunkt erreicht hat. Die industrielle Revolution hat für einen Teil der Menschheit sicherlich gewisse Vorteile und Fortschritte nach sich gezogen, aber es ist ebenso wahr, dass sie ein für alle Mal in dem Aufzeigen der Kluft zwischen reichen und armen Ländern einen Wendepunkt darstellte. Wenn diese Kluft seit ihrer Entstehung ständig wächst, wollen wir wirklich eine weitere Revolution starten, die in den gleichen Bahnen verlaufen könnte? Könnten wir vor allem glaubhaft bestätigen, dass dieser Prozess eine Verbesserung für die gesamte Menschheit darstellt und nicht nur für einige wenige Auserwählte bzw. Glückliche?
......@@ -50,13 +50,13 @@ Die Erkenntnis, dass der Einsatz von elektrischem Strom die Funktion des Nervens
Neben anderen Verbesserungsbereichen verdienen folgende eine besondere Aufmerksamkeit: Gedächtnisleistung, Lesen, Stimmung, Lernen, Wahrnehmung, mathematisches Verständnis, Entscheidungsfindung, motorische Fähigkeiten, Kreativität, Motivation und moralische Logik.
Auf der praktischen Seite ist es interessant, dass Athleten des nationalen Skisprungteams der Vereinigten Staaten und einige Sprinter verschiedener Nationen, die an den Olympischen Spielen in Rio teilgenommen haben, angeblich zur Verbesserung ihrer sportlichen Leistung mit dem von Halo Neuroscience entwickelten tDCS-Handgerät experimentierten. Insbesondere die Stimulation der motorischen Bereiche während des Trainings führte zu einer Verbesserung der Koordination, der Kraft und der Ermüdungsresistenz. Dies hat auch das Interesse der Welt-Anti-Doping-Agentur geweckt, die den Einsatz von tDCS in der Verbesserung der sportlichen Leistung überwacht, um zu prüfen, ob sie in die Liste der vom Internationalen Olympischen Komitee verbotenen Behandlungen aufgenommen werden muss oder nicht. Die wichtigsten Kriterien, die in die Liste aufgenommen werden müssen, sind die Gesundheitsrisiken, denen sich die Sportler aussetzen und eventuelle Verletzungen der sportlichen Fairness.
Auf der praktischen Seite ist es interessant, dass Athleten des nationalen Skisprungteams der Vereinigten Staaten und einige Sprinter verschiedener Nationen, die an den Olympischen Spielen in Rio teilgenommen haben, angeblich zur Verbesserung ihrer sportlichen Leistung mit dem von Halo Neuroscience entwickelten tDCS-Handgerät experimentierten. Insbesondere die Stimulation der motorischen Bereiche während des Trainings führte zu einer Verbesserung der Koordination, der Kraft und der Ermüdungsresistenz. Dies hat auch das Interesse der Welt-Anti-Doping-Agentur geweckt, die den Einsatz von tDCS in der Verbesserung der sportlichen Leistung überwacht, um zu prüfen, ob sie in die Liste der vom Internationalen Olympischen Komitee verbotenen Behandlungen aufgenommen werden muss oder nicht. Die wichtigsten Kriterien, um in die Liste aufgenommen zu werden, sind die Gesundheitsrisiken, denen sich die Sportler aussetzen und eventuelle Verletzungen der sportlichen Fairness.
Andere wichtige Themen ergaben sich aus der Debatte über die ethischen Richtlinien, die diese Technologie regulieren sollten. Es wurde dokumentiert, dass die relativ niedrigen Kosten und die Leichtigkeit der Herstellung von tDCS-Geräten zu einem Selbstbau-tDC-Phänomen führen könnten. Das Gerät ist in der Tat günstig, leicht zu erwerben und scheinbar sehr einfach zu verwenden. Einige private Unternehmen haben aus diesem Grund für NIBS Geräte wie zum Beispiel Foc.us auf den Markt gebracht, das mit einer verbesserten Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung umworben wurde, um Anwendern von Videospielen eine Verbesserung zu ermöglichen. Tatsächlich hat eine wissenschaftliche Studie ergeben, dass die versprochenen Effekte ausbleiben; vielmehr scheint die Stimulation mit dem besagten Gerät das Gedächtnis des Anwenders zu verschlechtern. Wie verschiedene Studien belegen, scheint die Stimulation des Gehirn mit Selbstbaugeräten jedoch zuzunehmen.
Als Reaktion auf dieses soziale Risiko, das sich aus dem unregulierten Einsatz von NIBS ergibt, hat vor kurzem eine Gruppe führender Neurowissenschaftler einen offenen Brief über die Risiken von Stimulationen veröffentlicht, die von Experten nicht überwacht werden. In dem Brief erwähnten die Wissenschaftler, dass: (1) die Stimulation auf das Gehirn mehr Einfluss hat als ein Anwender vermuten mag; (2) dass die Stimulation mit der fortlaufenden Aktivität des Gehirns interagiert, sodass die spezifischen Aktivitäten, die während der Stimulation ausgeführt werden, selbst die Wirkungen von tDCS verändern; (3) dass die Verbesserung einiger kognitiver Fähigkeiten auf Kosten anderer Fähigkeiten geschehen kann; (4) dass Änderungen in der Gehirnaktivität (beabsichtigt oder nicht) länger andauern können, als der Anwender denken könnte; und (5) dass kleine Unterschiede in den tDCS-Parametern eine große Wirkung haben können. Kurz gesagt, Sicherheitserwägungen scheinen demzufolge sehr wichtig zu sein und erfordern angesichts der wachsenden Verbreitung selbstverabreichter NIBS neben ethischen Erwägungen auch die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Gemeinschaft und der sozialen sowie politischen Behörden im Hinblick auf die Wahl der Regulierung. Auch in Militär- und Sicherheitsdiensten wurde von einer Verwendung von tDCS abgeraten.
Schließlich sollte berücksichtigt werden, dass es für eine Begrenzung der gesamten persönlichen Autonomie bei einer neurokognitiven Verbesserung Gründe zu geben scheint. Insbesondere in wettbewerbsorientierten Kontexten – wie Vorstellungsgesprächen – stehen die Fragen der Gerechtigkeit und der allgemeinen sozialen Kompetenz auf dem Spiel und diese sollten behandelt werden.
Schließlich sollte berücksichtigt werden, dass es für eine Begrenzung der gesamten persönlichen Autonomie bei einer neurokognitiven Verbesserung Gründe zu geben scheint. Insbesondere in wettbewerbsorientierten Kontexten – wie Vorstellungsgesprächen – stehen die Fragen der Gerechtigkeit und der allgemeinen sozialen Kompetenz auf dem Spiel und sollten behandelt werden.
## Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten
......@@ -66,7 +66,7 @@ Abgesehen von den unübersehbaren Bedenken in Bezug auf die Sicherheit dieser Me
## Moralische Verbesserung
Eine denkbare *interne* Möglichkeit zur Lösung dieses Problems und anderer Probleme in Bezug auf Ungerechtigkeit ist, so behaupten einige Autoren, die biochemische Verbesserung auf die nächste Stufe zu bringen: statt nur unsere technischen Fähigkeiten zur Erreichung eines bestimmten Ziels zu verbessern, sollten wir lieber sofort unsere (fehlerhafte) Moral ändern, um so der Menschheit ein größeres Wohl zu ermöglichen. In diesem Sinne argumentieren Ingmar Persson und Julian Savulescu, dass wir uns moralisch verbessern müssen, wenn wir als Spezies überleben wollen (um unsere Empathie beispielsweise durch die Einnahme von Oxytocin dank einer geringeren Aggressivität zu verändern). Die Idee ergibt sich aus der Lektüre unserer biologischen Geschichte, die auf irgendeine Art weniger Entwicklung aufweist als unsere technologische Geschichte: ein einzelnes Individuum kann mit einer schmutzigen Bombe einen enormen Schaden anrichten, während ein Mangel an Koordination (womöglich durch mehr oder weniger bewusste egoistische Interessen angetrieben) es uns unmöglich macht, lebenswichtige Probleme wie die globale Erwärmung zu bewältigen. Wenn wir uns auf eine kooperativere Interaktion mit der Gesellschaft einstellen, würde dies der Gesellschaft einen Nutzen bringen, den wir anstreben sollten.
Eine denkbare *interne* Möglichkeit zur Lösung dieses Problems und anderer Probleme in Bezug auf Ungerechtigkeit ist, so behaupten einige Autoren, die biochemische Verbesserung auf die nächste Stufe zu haben: statt nur unsere technischen Fähigkeiten zur Erreichung eines bestimmten Ziels zu verbessern, sollten wir lieber sofort unsere (fehlerhafte) Moral ändern, um so der Menschheit ein größeres Wohl zu ermöglichen. In diesem Sinne argumentieren Ingmar Persson und Julian Savulescu, dass wir uns moralisch verbessern müssen, wenn wir als Spezies überleben wollen (um unsere Empathie beispielsweise durch die Einnahme von Oxytocin dank einer geringeren Aggressivität zu verändern). Die Idee ergibt sich aus der Lektüre unserer biologischen Geschichte, die auf irgendeine Art weniger Entwicklung aufweist als unsere technologische Geschichte: ein einzelnes Individuum kann mit einer schmutzigen Bombe einen enormen Schaden anrichten, während ein Mangel an Koordination (womöglich durch mehr oder weniger bewusste egoistische Interessen angetrieben) es uns unmöglich macht, lebenswichtige Probleme wie die globale Erwärmung zu bewältigen. Wenn wir uns auf eine kooperativere Interaktion mit der Gesellschaft einstellen, würde dies der Gesellschaft einen Nutzen bringen, den wir anstreben sollten.
Diese Betrachtungsweise ist natürlich sehr umstritten. Unter den möglichen Kritikpunkten scheinen zwei besonders schlagkräftig zu sein:
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