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......@@ -9,7 +9,7 @@ Kurz gesagt werden wir in diesem Kapitel Folgendes betrachten: (1) Im ersten Abs
### (1) Zunächst etwas Geschichte
Menschen sind seit Langem besessen von künstlichen Kreaturen. Denken wir nur einmal an Talos aus der griechischen Mythologie, der ein riesiger Bronzeroboter ist und vermutlich gut Feinde bekämpfen kann (im Jahre 400 v.Chr.). Dann gibt es natürlich noch den Golem aus der jüdischen Tradition, eine Kreatur bestehend aus nicht-organischem Material, wie z.B. Lehm, die durch Magie zum Leben erweckt wird. Ein weiteres Beispiel, das den Robotern ähnlicher ist, bringt uns Leonardo da Vinci, der einen mechanischen menschenartigen Ritter erschaffen hat (um 1490). Unsere Besessenheit von künstlichen Kreaturen allgemein und mechanischen Robotern im Speziellen ist nirgends offensichtlicher als in Film und Literatur. Um hier nur zwei historische Beispiele zu nennen: E.T.A. Hoffmans berühmte Geschichte "Der Sandmann" (1816), die eine künstliche Frau namens Olimpia herausbringt sowie unter den Filmen der Klassiker "Metropolis" von Fritz Lang, in dem die künstliche Kreatur Maria Unruhe stiftet. Natürlich könnten wir diese Liste fortführen bis wir zu den neuesten Folgen in der Popkultur gelangen und süße kleine Roboter wie Wall-E (2008) oder ausgeklügelte Mördermaschinen wie in dem Film "Ex Machina" (2014) aufzählen.
In Anbetracht unserer Obsession von künstlichen Kreaturen dürfte es also nicht überraschend sein, dass wir uns in einer Phase von technischer Entwicklung befinden, in der Vakuumroboter wie Roomba unsere Wohnungen putzen, selbstfahrende Autos in naher Zukunft auf die Straßen kommen und Pflegeroboter in Krankenhäusern oder Altenheimen eingesetzt werden[^2] .
In Anbetracht unserer Obsession von künstlichen Kreaturen dürfte es also nicht überraschend sein, dass wir uns in einer Phase von technischer Entwicklung befinden, in der Vakuumroboter wie Roomba unsere Wohnungen putzen, selbstfahrende Autos in naher Zukunft auf die Straßen kommen und Roboterassistenten in Krankenhäusern oder Altenheimen eingesetzt werden[^2] .
### (2) Roboterethik
......@@ -56,17 +56,17 @@ Nach dem eher trostlosen Thema der Killermaschinen können wir uns nun den erbau
Es gibt ein paar Dinge, die für Begleitroboter sprechen. Einige Hinweise liegen dafür vor, dass Begleitroboter die Interaktion und Kommunikation autistischer Kinder erhöhen (Scassellati, Admoni, Matarić 2012). Darüber hinaus können Begleitroboter auch die Einsamkeit mancher Menschen lindern, insbesondere wenn sie älter oder sozial isoliert sind (Bemelmans et al. 2012). Dennoch sollten uns die süßen und knuddeligen Begleitroboter nicht über die ethischen Probleme hinwegsehen lassen. Eins darunter betrifft Sympathie und Täuschung: Sollten wir wirklich Dinge schaffen, die für die Seite der Nutzenden ein hohes Sympathie-Potential besitzen, wobei diese Sympathie letztlich auf Täuschung hinausläuft? Schließlich gibt der Roboter vor etwas zu sein, was er nicht ist: ein Freund oder Begleiter. In anderen Worten: Machen die möglichen Vorteile des Begleitroboters die Kosten der Tatsache wieder wett, dass besagte Vorteile durch die Täuschung eines Menschens erreicht werden und ihn an eine gegenseitige Beziehung glauben lassen (Sparrow & Sparrow 2006)? Eine weitere ethisch relevante Angelegenheit ist der Datenschutz, da Menschen mit Begleitrobotern in intimen Rahmen, wie z.B. deren Zuhause, interagieren und kommunizieren. Die dort gewonnene Information sollte geschützt und sicher aufbewahrt werden, sodass sie unberechtigten Dritten nicht zugänglich ist. Es ist auch lohnenswert, über das Eigentumsrecht der in privaten Kontexten gewonnenen Daten nachzudenken. Sollte dieses Eigentumsrecht bei der Person verbleiben, die mit dem Begleitroboter interagiert oder ist es legitim, es dem Unternehmen zuzugestehen, das den Roboter hergestellt hat? (Eine ähnliche Frage kann bei anderen Technologien ebenfalls aufkommen. Hier ist z.B. an Geräte oder Services wie Amazons Alexa oder Microsofts Cortana zu denken).
Ein anderes ethisches Problem betrifft das Autoritäts- und Autonomielevel, das wir den Begleitrobotern geben. Soll ein Begleitroboter, der mit der Begleitung eines kleinen Kindes beauftragt ist, einschreiten können, wenn das Kind etwas Unerlaubtes tut und beispielsweise Süßigkeiten isst?
Einige dieser oben angesprochenen Aspekte treffen auch auf Pflegeroboter zu, auf die wir im Folgenden zu sprechen kommen.
Einige dieser oben angesprochenen Aspekte treffen auch auf Roboterassistenten zu, auf die wir im Folgenden zu sprechen kommen.
## Pflegeroboter
## Roboterassistenten
Pflegeroboter sind Roboter, die wichtige Aufgaben in der Pflege anderer Menschen erfüllen, hauptsächlich bei Älteren oder körperlich Beeinträchtigten. Solche Aufgaben können das Greifen und Heben von Objekten, das Tragen oder Essenreichen sein. Der sogenannte Care-O-Bot wurde vom Fraunhofer Institut entwickelt und stellt beispielhaft den State of the art dar. Er ist mit einer Ablage, um Dinge herbeizubringen, ausgestattet und mit einer Tablet-Schnittstelle zur Anzeige von Webseiten versehen. [Darüber hinaus kann der Roboter seinem Nutzenden an die Einnahme von Medikamenten erinnern oder Hilfe holen, wenn dieser gestürzt ist und nicht allein aufstehen kann](https://www.care-o-bot.de/en/care-o-bot-3.html).
Roboterassistenten sind Roboter, die wichtige Aufgaben in der Pflege anderer Menschen erfüllen, hauptsächlich bei Älteren oder körperlich Beeinträchtigten. Solche Aufgaben können das Greifen und Heben von Objekten, das Tragen oder Essenreichen sein. Der sogenannte Care-O-Bot wurde vom Fraunhofer Institut entwickelt und stellt beispielhaft den State of the art dar. Er ist mit einer Ablage, um Dinge herbeizubringen, ausgestattet und mit einer Tablet-Schnittstelle zur Anzeige von Webseiten versehen. [Darüber hinaus kann der Roboter seinen Nutzenden an die Einnahme von Medikamenten erinnern oder Hilfe holen, wenn dieser gestürzt ist und nicht allein aufstehen kann](https://www.care-o-bot.de/en/care-o-bot-3.html).
Es gibt klare Vorteile von Pflegerobotern. Natürlich können sie ältere und kranke Menschen zuhause unterstützen, was ihre Unabhängigkeit und Lebensqualität erhöht. Pflegeroboter könnten auch das mentale Wohlbefinden fördern, indem sie Einsamkeitsgefühlen vorbeugen. Des Weiteren vermeiden sie Gefahren und retten Leben, wenn sie mit der Fähigkeit ausgestattet sind, Gesundheit und Verhalten von Menschen zu überprüfen. Zu guter Letzt kann die Einführung von Pflegerobotern ein Weg sein, die sogenannte Pflegelücke in einer alternden Gesellschaft zu überbrücken, indem sie dem Pflegepersoal Arbeit abnehmen.
Es gibt klare Vorteile von Roboterassistenten. Natürlich können sie ältere und kranke Menschen zuhause unterstützen, was ihre Unabhängigkeit und Lebensqualität erhöht. Roboterassistenten könnten auch das mentale Wohlbefinden fördern, indem sie Einsamkeitsgefühlen vorbeugen. Des Weiteren vermeiden sie Gefahren und retten Leben, wenn sie mit der Fähigkeit ausgestattet sind, Gesundheit und Verhalten von Menschen zu überprüfen. Zu guter Letzt kann die Einführung von Roboterassistenten ein Weg sein, die sogenannte Pflegelücke in einer alternden Gesellschaft zu überbrücken, indem sie dem Pflegepersonal Arbeit abnehmen.
Dennoch sollten wir nicht so sorglos sein und wichtige ethische Fragen vernachlässigen, wenn es um Pflegeroboter geht. Einer der drängendsten Aspekte ist der mögliche Konflikt zwischen den Werten Autonomie und Wahlfreiheit seitens der Nutzenden und dem Level des Einmischens in dem Leben der Älteren. Wie hartnäckig soll der Roboter beispielsweise sein, wenn eine Person ihre Medikamente nicht nehmen will? Ein weiteres offensichtliches Problem betrifft den Datenschutz. Pflegeroboter werden in einer empfindlichen Umgebung verwendet und können auch Zugang zu medizinischen und anderen persönlichen Daten des Besitzers haben, weshalb sichergestellt werden muss, dass diese sicher sind und nicht in fremde, ausnutzende Hände gelangen. Außerdem können Pflegeroboter zu einem reduzierten Sozialkontakt der Senioren führen, da Verwandte eventuell eher einen Roboter anstellen als menschliches Pflegepersonal oder seltener einen Besuch abstatten, da die Großmutter bereits Gesellschaft hat. Weiterhin können sich von Pflegerobotern versorgte Menschen objektifiziert fühlen, weil sich eine Maschine um sie kümmert. Es lauert auch das Problem der Täuschung, wie bereits oben bei den Begleitrobotern angesprochen. Man könnte den Standpunkt vertreten, dass Roboter die Illusion einer Beziehung schaffen: Sie könnten die Nutzenden oder Behandelten "enttäuschen", da sie als Begleiter oder Freund aufgefasst werden können, obwohl der Mensch ihnen eigentlich egal ist.
Letztlich müssen im Zusammenhang mit Pflegerobotern einige gesellschaftliche Aspekte berücksichtigt werden. Wir sollten uns fragen, in was für einer Gesellschaft wir leben möchten. Wollen wir die verletzlichsten Mitglieder unserer Gesellschaft der Pflege von Robotern übergeben und wenn ja, in welchem Umfang genau? Die Antworten zu Fragen wie diesen sollten jeden betreffen und nicht exklusiv den Leuten vorbehalten werden, die technologische Entwicklung betreiben.
Dennoch sollten wir nicht so sorglos sein und wichtige ethische Fragen vernachlässigen, wenn es um Roboterassistente geht. Einer der drängendsten Aspekte ist der mögliche Konflikt zwischen den Werten Autonomie und Wahlfreiheit seitens der Nutzenden und dem Level des Einmischens in dem Leben der Älteren. Wie hartnäckig soll der Roboter beispielsweise sein, wenn eine Person ihre Medikamente nicht nehmen will? Ein weiteres offensichtliches Problem betrifft den Datenschutz. Roboterassistenten werden in einer empfindlichen Umgebung verwendet und können auch Zugang zu medizinischen und anderen persönlichen Daten des Besitzers haben, weshalb sichergestellt werden muss, dass diese sicher sind und nicht in fremde, ausnutzende Hände gelangen. Außerdem können Roboterassistenten zu einem reduzierten Sozialkontakt der Senioren führen, da Verwandte eventuell eher einen Roboter anstellen als menschliches Pflegepersonal oder seltener einen Besuch abstatten, da die Großmutter bereits Gesellschaft hat. Weiterhin können sich von Roboterassistenten versorgte Menschen objektifiziert fühlen, weil sich eine Maschine um sie kümmert. Es lauert auch das Problem der Täuschung, wie bereits oben bei den Begleitrobotern angesprochen. Man könnte den Standpunkt vertreten, dass Roboter die Illusion einer Beziehung schaffen: Sie könnten die Nutzenden oder Behandelten "enttäuschen", da sie als Begleiter oder Freund aufgefasst werden können, obwohl der Mensch ihnen eigentlich egal ist.
Letztlich müssen im Zusammenhang mit Roboterassistenten einige gesellschaftliche Aspekte berücksichtigt werden. Wir sollten uns fragen, in was für einer Gesellschaft wir leben möchten. Wollen wir die verletzlichsten Mitglieder unserer Gesellschaft der Pflege von Robotern übergeben und wenn ja, in welchem Umfang genau? Die Antworten zu Fragen wie diesen sollten jeden betreffen und nicht exklusiv den Leuten vorbehalten werden, die technologische Entwicklung betreiben.
Die letzte Robotertechnologie, die wir genauer betrachten, ist die der selbstfahrenden Autos.
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